In “IT’S THE END OF THE AMUSEMENT PHASE” zeigen drei Tänzerinnen eine Welt voller Erschöpfung, widersprüchlicher Gefühle und enttäuschter Hoffnungen. Das Stück untersucht, was bleibt, wenn die Versprechen der Vergangenheit und der Zukunft nicht eingelöst werden können.
Geschichte wird meist als linearer Prozess in Richtung Fortschritt dargestellt. Bei Chara Kotsali hingegen stehen Brüche und Enttäuschungen, erschöpfte Körper und ausgelaugte Emotionen im Zentrum. “IT’S THE END OF THE AMUSEMENT PHASE” ist ein kakophonischer Tanzmarathon, durchzogen von schrillen Gitarrenriffs, unaufhörlichem Schlagzeugspiel und schonungslosem Rap. Drei Frauen setzen ihre Körper unserer emotionalen Gegenwart aus – ein sich bis zur Übelkeit drehendes Karussell aus Gefühlen, Bildern und Fakten. Was bleibt uns im Jetzt, wenn die Versprechen der Vergangenheit unerfüllt geblieben sind und die Zukunft uns im Stich lässt?
www.charakotsali.com
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Artist's Note von Chara Kotsali
Von einem Ort im Süden, der nie eine Rakete ins All geschickt hat und mit langsamem Internet alt geworden ist, versuchte ich, eine chaotische kinetische und klangliche Chronologie jenes kollektiven Gefühls zu kreieren, das durch den Aufbruch ins All und zugleich durch das Eintauchen in den Cyberspace entstanden ist – für Körper, die wie Weltraumschrott treiben, für das Spektakel als den langlebigsten aller Fetische.
Mich interessierte die Auseinandersetzung mit der viel diskutierten Krise der Zukunftsvorstellung, indem ich den tanzenden Körper in ihr Zentrum stellte. Was mich beschäftigte, war das anhaltende Gefühl einer verschlossenen Zukunft, verbunden mit einer zum Schweigen gebrachten oder unsichtbar gemachten Vergangenheit und einer zunehmenden Unfähigkeit, uns selbst als Teil eines historischen Kontinuums zu begreifen. Durch Choreografie wollte ich die Spannung zwischen Hoffnung und Enttäuschung erforschen, so wie sie sich in individuelle und kollektive Körper eingeschrieben hat.
Im Zentrum dieser Recherche stand die Beziehung zwischen Mikrogeschichten und großen historischen Erzählungen sowie die Frage, wie persönliche und kollektive Erfahrungen mit den dominanten Geschichtsnarrativen zusammenfallen, ihnen widerstehen oder in ihnen verschwinden.
Die große Angst.
Das tief verankerte Gefühl der Niederlage.
Macht die Zukunft dich geil? Raubt sie dir den Schlaf?
Die allumfassende Erschöpfung.
Ihr Geburtstag und der Fall der Mauer.
Spaghetti mit Hackfleisch nach der Schule und die einstürzenden Zwillingstürme.
Ausgehend von der dialektischen Beziehung zwischen Kontinuität und Diskontinuität in den Formen, in denen Geschichte dargestellt, erzählt und erlebt wird, experimentierten wir sowohl mit linearen Strukturen – etwa dem filmischen Ein-Kamera-Setting, dem musikalischen Drone-Sound und der Zeitleiste – als auch mit Strategien des Bruchs, darunter Collage, Mash-up und Medley.
Der Tanz war Zeuge der Geschichte. Er hat die vorherrschenden Vorstellungen von Schönheit, Begehren und Unterhaltung geprägt und wurde zugleich von ihnen geprägt. Darüber hinaus stand er im Dienst nationaler, ideologischer und politischer Narrative. Indem wir ein ununterbrochenes Kontinuum des Tanzes schaffen, das selbst über die Grenzen körperlicher und emotionaler Erschöpfung hinaus fortbesteht, wollten wir die miteinander verflochtenen Geschichten von Begeisterung und Enttäuschung, Spektakel und Trauer neu betrachten, die auf die Satellitisierung des Alltagslebens und den Zusammenbruch des Fortschritts als vorherrschendem historischen Horizont folgten.
Die Macarena, der Jitterbug, Bob Fosse und die Cheerleader.
Koula Pratsika und Metaxas.
Laban und Goebbels.
Die Tänze in den überfüllten Stadien, berauscht vom Nationalismus.
Jene Parade mit dem Gesicht des „Führers“.
Tanzen in Reih und Glied, tanzen gegen jede Wahrscheinlichkeit.
War ich die Dancing Queen oder tanzte ich für die Queen?
Dennoch ist IT'S THE END OF THE AMUSEMENT PHASE weder eine weitere Gebrauchseschatologie noch eine weitere nostalgische Beschwörung einer exotisierten Vergangenheit. Vielmehr ist es die Anerkennung, dass das Experiment (glücklicherweise) gescheitert ist. Das Ende der Welt ist noch nicht eingetreten – und erst recht nicht das Ende der Geschichte. Die Poetik des Schwindels tritt in dieser Stunde des Falls als die zärtlichste Geste hervor.