Philippe Quesne studierte bildende Kunst und arbeitete anschließend zehn Jahre als Bühnenbildner für Opern- und Theateraufführungen und entwarf Bühnen für Konzerte und zeitgenössische Kunstausstellungen. 2003 gründete er Vivarium Studio in Paris, ein Experimentierfeld für innovatives Theater, an dem sich Maler, Schauspieler, Tänzer Musiker und ein Hund beteiligen. In seinen Stücken erforscht Quesne moderne Formen der Dramaturgie auf Grundlage einer starken Verbindung von Raum, Bühne und Körper. Die szenischen Anordnungen werden dabei häufig zu experimentellen Räumen, zu „Vivarien“, in denen ein menschlicher Mikrokosmos entsteht. Zu den bisher von ihm entwickelten und inszenierten Stücken zählen „La Démangeaison des Ailes“ (2003), „Des Expériences“ (2004), „D’après Nature“ (2006), „L’Effet de Serge“ (2007), „La Mélancolie des dragons“ (2008) und „Big Bang“ (2010). Seit 2004 werden die Stücke sowohl in Frankreich als auch im Ausland produziert und gezeigt.
2011 brachte Quesne „Pièce pour la technique du Schauspiel de Hanovre“ heraus, ein Stück für die Techniker des Schauspiels Hannover. 2012 entwickelte er auf Einladung des Pavillon du Palais de Tokyo ein Stück in Zusammenarbeit mit zehn vor Ort arbeitenden Künstlern und Kuratoren. Im selben Jahr war er an der HAU-Produktion „Unendlicher Spaß“ nach dem Roman von David Foster Wallace mit einem Beitrag am Berliner Institut für Mikrobiologie und Hygiene beteiligt.
Zu weiteren Arbeitsfeldern gehören die Entwicklung performativer Formen, Interventionen im öffentlichen Raum und Installationen für zeitgenössische Kunstausstellungen. Er hat außerdem vier Schriften veröffentlicht: „Actions en milieu naturel“ (2005), „Petites réflexions sur la présence de la nature en milieu urbain“ (2006), „Thinking about the end of the world in costume by the sea“ (2009) und „Bivouac“ (2011).
Quesne wird regelmäßig als Programmkurator eingeladen, unter anderem 2012 und 2013 vom Festival TJCC (Très Jeunes Créateurs Contemporains / Very Young Contemporary Artists) des Théâtre de Gennevilliers. 2013 hat er am Komaba Agora Theater in Tokio ein Stück mit vier japanischen Darstellerinnen entwickelt, ebenfalls in diesem Jahr wird anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Vivarium Studio das neue Stück „Swamp Club“ folgen.