Happy to Listen 2021

Das Format Happy to Listen bietet die Möglichkeit aufmerksam denjenigen zuzuhören, deren Anliegen und Sichtweisen von anderen Realitäten und Erfahrungen geprägt sind. Die Themen sind festgelegt in Zusammenarbeit mit Künstler:innen, die Tanz im August verbunden sind oder im Rahmen des Festivals auftreten, und mit ausgewählten Redner:innen, damit neue Perspektiven, Kritik und Widersprüche sichtbar werden. In Zeiten zunehmender Ungleichheiten in der globalen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und ökologischen Krise sind wir überzeugt, dass wir lernen müssen aufmerksam zuzuhören.

  • Termine

    6.8. | #1 Happy to Listen | Cripping the Stage: Disability and its Representations
    Chiara Bersani im Gespräch mit Mara Pieri
     

    13.8. | #2 Happy to Listen | Krump: Dancing towards Togetherness
    Nora Amin im Gespräch mit Grichka Caruge und Dicko-Andrea Din
     

    20.8. | #3 Happy to Listen | The Jaguar Talks: On Dance as a Form of Offering  
    Amanda Piña und Nicole Haitzinger im Gespräch mit Ma’arakames Juan José Ramirez Katira & María Teresa Tulama Ramirez und Rodrigo de la Torre

    #3 Happy to Listen

    The Jaguar Talks: Über Tanz als Form der Opfergabe
    Amanda Piña und Nicole Haitzinger im Gespräch mit Ma’arakames Juan José Ramirez Katira & María Teresa Tulama Ramirez und Rodrigo de la Torre

    Englisch und Spanisch, mit englischen und deutschen Untertiteln
     

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    Das Gespräch ist Teil des von Amanda Piña initiierten Langzeitprojekts “Endangered Human Movements”. In diesem kunstbasierten Forschungsprojekt treffen unterschiedliche Perspektiven aufeinander, um zeitgenössische Kunst und kulturelle Praktiken zu dekolonisieren, indem zum Beispiel kritische Ansätze aus den Bereichen Soziologie, Anthropologie, Geschichte, Philosophie, bildende Kunst, Tanz, Choreografie und zeitgenössisch-traditionelles indigenes Wissen eingebracht werden. Letzteres umfasst nicht nur den zeitgenössischen Schamanismus, sondern auch mündlich überliefertes Wissen, soziales Wissen über den Körper, über Bewegung und Berührung, über Heilung, über Pflanzen, über Wahrnehmung, über die Verflechtung von Lebensformen und über rituelles, diplomatisches Wissen, das auf die Beziehung zu anderen Wesen angewandt wird. In “The Jaguar Talks” treten verschiedene Wissensformen in einen hierarchiefreien Dialog, der dann eine Art Erprobung unterschiedlicher Wissensökoklogien ermöglicht.

    Der folgende Vortrag präsentiert eine Vielzahl von Stimmen und Perspektiven, die sich auf “Frontera I Border ” beziehen, und fungiert gleichermaßen im Sinne einer Textur, in der die komplexen Konstellationen des Theatralen und des Politischen in unserer Gesellschaft sowie die Zusammengehörigkeit des Ästhetischen und des Ethischen in einer performativen Welt hervorgehoben werden. 

    Amanda Piña ist eine chilenisch-mexikanische Künstlerin, die in Wien und Mexiko-Stadt lebt. Ihre Arbeit befasst sich mit der Entkolonialisierung der Kunst, wobei sie sich auf die politische und soziale Kraft der Bewegung konzentriert und ideologische Trennungen zwischen zeitgenössisch und traditionell, Mensch und Tier, Natur und Kultur vorübergehend aufhebt. Ihre Arbeiten wurden in folgenden Institutionen gezeigt: Fondation Cartier pour l'Art Contemporain Paris, Kunsthalle Wien, MUMOK Museum für Moderne Kunst Wien, Kunsten Festival des Arts Brüssel, Royal Festival Hall London, Museo Universitario del Chopo, Mexiko, Festival Santiago a Mil, Chile. Sie ist Forschungsstipendiatin an der Abteilung für Theater, Tanz und Performance an der Universität der Künste Amsterdam.

    Nicole Haitzinger arbeitet am Fachbereich für Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Tanzwissenschaft an der Universität Salzburg. Sie absolvierte ein Postgraduiertenstudium am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien.  Als Dramaturgin und Kuratorin arbeitet sie an diversen internationalen Projekten und Theorie/Praxis-Modulen mit, hält Gastvorträge und unterrichtet international, u.a. in Moskau, Nizza, Shanghai, Peking, London, Bern, Belgrad, Mexiko City. Derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt über Tänzerinnen und Tänzer of Color im Europa des frühen 20. Jahrhunderts.

    Juan José Luis Katira Ramirez ist ein Mara'akame (Sänger, Schamane) aus der Gemeinde Tatey Kie, La laguna, Gerichtsbarkeit San Andres Cohamiata in Mezquitic, Jalisco, Mexiko. Er diente unter anderem als Gouverneur seiner Gemeinde und war mit verschiedenen Ämtern betraut: 15 Jahre in den zeremoniellen Zentren in Cohamiata, 5 in San José, 15 in San Andrés und weitere 5 in las Guayavas. Er ist eine aktive Führungspersönlichkeit und Verteidiger des heiligen Territoriums der Vorfahren von Wirikuta und der Autonomie des Volkes der Wixárika in Mexiko. Juan José Luis "Katira" Ramirez arbeitet als Botschafter der Wixárika-Kultur und des Wissens der Vorfahren und der Gegenwart und hat an zahlreichen Projekten mitgewirkt, die darauf abzielen, den Kampf der Wixárika für den Schutz des heiligen Territoriums der Vorfahren von Wirikuta sichtbar zu machen, z. B. an dem Dokumentarfilm "Huicholes, The Last Peyote Guardians" des argentinischen Filmemachers Hernan Vilchez. Als Mara'akame seiner Gemeinschaft setzt sich Ramirez für die Erhaltung der körperlichen und geistigen Gesundheit der Gemeinschaft ein und ist somit Teil einer Bewegung in Mexiko, den USA, Kanada, Lateinamerika und Europa, die Heilungsarbeit als eine Form von Aktivismus versteht.

    Maria Teresa Tulama Ramirez Muñoz lernte von ihren Eltern die Heiltradition der Medizinfrauen. Durch die Arbeit mit ihrem Partner Mara'akame Katira entwickelte sie dieses Wissen auch außerhalb ihrer Gemeinschaft. Als Künstlerin verfügt sie über Kenntnisse in der Textilstickerei, der Herstellung von traditioneller Kleidung, Schmuck und rituellen Gegenständen der Nierika.  Sie trägt die Verantwortung gegenüber ihrer Gemeinschaft als Anhängerin und Bewahrerin der Tradition für die jüngeren Generationen. Sie ist Mutter von neun Kindern. Sie ist auch eine Mara'akame (Sängerin, Schamanin), ein Titel, den man nur nach einer Pilgerfahrt und einem Opfer zu den fünf Himmelsrichtungen erhält, und sie nimmt an den Ritualen und Zeremonien ihrer Gemeinschaft teil, um mit den Gottheiten der Vorfahren zu kommunizieren.

    Rodrigo (Rigo) de la Torre Coronado ist ein Tänzer und Tanzleiter, der in der Stadt Matamoros in Tamaulipas, Mexiko, geboren wurde. Er begann 1995 im Alter von 15 Jahren mit dem Tanz der Matlachines in einem "traditionellen/folkloristischen" Tanzkontext. Nach einem Jahr beschloss er zusammen mit seinen Kameraden, einen neuen Tanz zu gründen und das Traditionelle hinter sich zu lassen, um einem neuen Tanzstil Platz zu machen: La Danza de Matamoros, ein neuer traditioneller Tanz, der sich in der Region stark verbreitet hat. Er ist der Anführer des Tanzes des ‘Ejido veinte von Matamoros’, er wurde zu verschiedenen Festivals und Tanzschulen in Mexiko eingeladen, um diesen neuen Tanzstil zu unterrichten, der sich schnell verbreitet und den die Jugend als ihren eigenen ansieht.

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    #2 Happy to Listen

    Krump: Dancing Towards Togetherness
    Nora Amin im Gespräch mit Grichka Caruge und Dicko-Andrea Din

    Englisch, mit englischen und deutschen Untertiteln
     

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    Das Gespräch “Krump: Dancing Towards Togetherness” stellt die Welt des Krumpings vor und beleuchtet dabei sowohl deren gesellschaftspolitische Facetten als auch das Potenzial, durch die Kraft des Miteinanders, der Emotionalität und der Selbstautorschaft zur Dekolonisierung des Tanzes in Deutschland und Europa beizutragen. Grichka Caruge ist der Choreograf von "A Human Race: The Rite of Krump", einer Produktion der Tanzkomplizen, die den Versuch unternimmt, die Bühne für neue und relativ junge Spielarten des urbanen und gemeinschaftlichen Tanzes zu öffnen und gleichzeitig die Sprache des Krump selbst im Sinne eines choreografierten Stücks zu erweitern und zu transformieren. Im Gespräch mit Dicko-Andrea Din geht es unter anderem um die Auswirkungen von Krumping auf persönliches Wachstum und psychologisches Empowerment, was auch im Hinblick auf die Nutzung von Tanz für vielfältige soziokulturelle Praktiken und insbesondere die Arbeit mit Jugendlichen relevant wird. Das Gespräch wird von Nora Amin moderiert, deren Anliegen es ist, den kritischen Diskurs über die Dekolonisierung des Tanzes mit der Geschichte und den Potenzialen des Krump in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu verweben.

    Weitere Informationen zu Krump finden Sie unter:

    “Making Peace” – Essay über Krump von Nora Amin (auf Englisch)
    Artikel von Lucia Matzke auf tanzraumberlin.de
    Dossier mit Hintergründen zur Produktion “A Human Race” (PDF)
    Begleitmaterial zum Stück “A Human Race” (PDF)

    Grichka Caruge ist Mitbegründer der RAF CREW (seit 2007), mit der er 2009 die HIP HOP World Championships gewann. Er war Co-Choreograph von "RAF city'z" (2010) und gründete 2009 das Kollektiv "Madrootz", das viele französische Pioniere der Krump-Bewegung, aber auch internationale Größen zusammenbringt. Seit 2013 ist er künstlerischer Leiter des International Illest Battle, eines internationalen Krump-Treffens. Im Jahr 2017 war er Co-Choreograph des Kurzfilms Les Indes Galantes von Clément Cogitore.

    Dicko-Andrea Din nahm an mehreren Battles und Wettbewerben wie Buckyard (Prag), EBS (Düsseldorf), 1st of May Battle (Berlin) teil. Sie unterrichtet Hip Hop & Krump für Kinder/Jugendliche und Erwachsene und arbeitet in Projekten wie Urban Feminism (Tanz im August), sowie in Projekten mit Flying Steps Entertainment, unter anderem  bei einem Auftritt in dem Film Into The Beat. Sie ist Gründungsmitglied des Frauen-Tanz-Kollektivs Walashé (mit Sitz in Berlin). Seit 2019 ist sie Teil der Aura Fam (Deutschland, Frankreich, Indonesien).

    Nora Amin ist Performerin, Autorin, Choreografin und Theaterregisseurin, sowie Gründerin des landesweiten ägyptischen Projekts für das Theater der Unterdrückten und des dazugehörigen arabischen Netzwerks; darüber hinaus Gründerin der unabhängigen Theatergruppe Lamusica, mit der sie 40 Produktionen in den Bereichen Tanz, Theater und Musik inszenierte und produzierte. Seit 2015 lebt sie in Berlin. Derzeit ist Amin Mitglied des Lenkungsausschusses des Tanzvermittlungszentrums (TVZ) und Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums des Internationalen Theaterinstituts. Autorin von "Migrating the Feminine" und "Tanz der Verfolgten" (MSB Matthes & Seitz).

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    #1 Happy to Listen


    Die Bühne verkrüppeln: Behinderung und ihre Repräsentationen
    Chiara Bersani im Gespräch mit Mara Pieri

    Englisch, mit englischen und deutschen Untertiteln
     

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    Im Dialog reflektieren Chiara Bersani und Mara Pieri die vielfältigen Berührungspunkte von Behinderung und Krankheit mit dem zeitgenössischen Denken. Indem sie künstlerische und akademische Perspektiven verknüpfen, hinterfragen sie die Darstellung von Behinderung, die Erwartungen, die an Menschen mit Behinderung gestellt werden und schließlich, was es bedeutet, in einem (post-)pandemischen Szenario ein/e behinderte/r Performer*in zu sein.

    Chiara Bersani ist eine italienische Künstlerin, die sich mit Körperpolitik und der Interaktion zwischen den von uns geschaffenen Bildern und der Gesellschaft beschäftigt. Als Aktivistin setzt sich Bersani für die Inklusion von Künstler:innen mit Behinderung in der darstellenden Kunstszene ein. Seit 2009 hat sie mehrere hochgelobte Performance- und Installationsarbeiten geschaffen, darunter ihre 2013 begonnene "Political Body Series", "The Olympic Games", koproduziert von K3 Kampnagel und dem europäischen Projekt ‘BeSpectACTive!’ im Jahr 2017 sowie ihr Solo "Gentle Unicorn", ausgewählt für ‘Aerowaves’ 2019. Zu ihren langjährigen und regelmäßigen Mitarbeiter:innen gehören Marco D'Agostin, Matteo Ramponi, Babilonia Teatri, Alessandro Sciarroni und der Kulturverein Corpoceleste_C.C.00#. Weitere wichtige Kooperationspartner sind die in Madrid ansässige Kompanie La Tristura, der Choreograf Jérôme Bel und der Regisseur und Dramatiker Rodrigo Garcia.

    Mara Pieri ist Postdoktorandin an der Universität von Coimbra (Portugal). Ihr intersektionaler Forschungsansatz verbindet Disability Studies, Queer Theory und Crip Studies in der Betrachtung von Behinderung und Queerness. Sie hat außerdem das Projekt "Chroniqueers" ins Leben gerufen, das die Erfahrungen von LGBTQ+-Personen mit chronischen Krankheiten schildert.

Happy to Listen 2020