Rückblick Tanz im August 2017

Am 2.9. endete die 29. Edition von Tanz im August, präsentiert von HAU Hebbel am Ufer, mit einer großen Abschlussparty. Im Laufe des Festivals wurden in rund 69 Vorstellungen an 11 Veranstaltungsorten in ganz Berlin, mehr als 150 Künstler*innen aus 21 Ländern in insgesamt 28 Produktionen, darunter 3 Uraufführungen und 14 Deutschlandpremieren, präsentiert. Wir blicken auf drei ereignisreiche Wochen zurück.
Applaus bei Serge Aimé Coulibaly "Kalakuta Republik" | Credit: Dajana Lothert
Am 11.8. wurde das Festival mit Serge Aimé Coulibalys Kalakuta Republik über den Afrobeat-Musiker Fela Kuti eröffnet, gefolgt von der Deutschlandpremiere FUN! von Lea Moro, der Outdoor-Performance Au-delà de l’humain von Cie Zora Snake und Alexandra Bachzetsis' Private: Wear a mask when you talk o me. Zum Ausklang des Abends lud unsere Eröffnungsparty im WAU das Publikum selbst auf die Tanzfläche ein.
Die Bibliothek im August im HAU2 | Credit: Dajana Lothert
Auch in diesem Jahr nahm das HAU2 die Funktion des Festivalzentrums ein und war nicht nur Veranstaltungsort von vier unterschiedlichen Produktionen, sondern beherbergte auch die zweite Ausgabe der Bibliothek im August, die am 12.8. mit der Lecture-Performance In Bodies We Trust – Tongue Smell Color Revisited von Brenda Dixon-Gottschild und Hellmut Gottschild eröffnet wurde. Die Bibliothek diente sowohl als Ort für Begegnungen zwischen Künstler*innen und dem Publikum als auch als ein ruhiger Ort zum Durchatmen im Festival-Trubel.
Kuratorin Virve Sutinen und La Ribot bei der Eröffnung der Retrospektive. | Credit: Dajana Lothert
Während der gesamten Dauer des Festivals zeigte Tanz im August eine umfangreiche Auswahl von Arbeiten der spanischen Choreografin La Ribot. Eine Feministin und Pionierin, die sich an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz, Live Art, Video und Performance bewegt. Die Retrospektive umfasste die sechsstündige Performance Laughing Hole (2006), eine Auswahl ihrer gefeierten “Distinguished Pieces” in Panoramix (1993–2003) und in der Deutschlandpremiere von Another Distinguée (2016), sowie Gustavia (2008) gemeinsam mit Mathilde Monnier. Eine Ausstellung in der Galerie Barbara Weiss präsentierte ihre Filme & Installationen (2002-2017), im HAU3 Houseclub war ihr Kurzfilm Mariachi 17 zu sehen.
Takao Kawaguchi: About Kazuo Ohno | Credit: Dajana Lothert
Nach dem Eröffnungswochenende ging es mit einem vielseitigen Programm weiter. Unter den vielen Programmhöhepunkten fanden sich u.a. die Rückkehr der Michael Clark Company mit dem neuen Stück to a simple, rock’n’ roll . . . song., die außergewöhnliche Outdoor-Performance Trophée von Rudi van der Merwe sowie Jessica and me, eine Selbstreflexion der ehemaligen Pina Bausch Tänzerin Cristiana Morganti. Mit Caen Amour von Trajal Harrell und Takao Kawaguchis About Kazuo Ohno beschäftigten sich gleich zwei Produktionen mit dem japanischen Butoh-Tanz. Abgerundet wurde der Butoh-Fokus durch zwei Publikumsformate: Neben einem Künstlergespräch zwischen Kawaguchi und Harrell stellte Toshio Mizohata sein Projekt The Kazuo Ohno Archive vor.
Anna Halprin, Anne Collod: Blank placard dance, replay | Credit: German Palomeque
Die dritte Festivalwoche ging spannend weiter, u.a. mit Kreatur von Sasha Waltz & Guests, der Deutschlandpremiere von Facing the sea, for tears to turn into laughter vom tunesisch-französischen Choreografen Radhouane El Meddeb sowie die berührende Performance Unwanted der ruandischen Sängerin, Autorin und Choreografin Dorothée Munyaneza. Die spanische Tänzerin und Choreografin Rocío Molina lotete in Caída del Cielo die Grenzen des Flamenco aus und A Line_up von ccap dekonstruierte das Musical-Genre mit einer Reinterpretation des Musical-Klassikers "A Chorus Line". Die Berliner Tanzszene war durch Jefta van Dinther und die Uraufführung seines neuen Stücks Dark Field Analysis vertreten. In den Sophiensælen beschäftigten sich die drei Choreografinnen Rosalind Goldberg, Sandra Lolax und Stina Nyberg mit den Schwachpunkten des Körpers in ihrer Performance Immunsystemet.

Höhepunkt in dieser Woche war Anne Collods Reenactment Blank placard dance, replay, in dem zwanzig Tänzer*innen weiße Plakate durch die Straßen von Berlin trugen, die als Projektionsflächen für die Protestwünsche der Zuschauer*innen dienten.
Eszter Salamon: MONUMENT 0.4: LORES & PRAXES (a ritual of transformation) | Credit: German Palomeque
In der letzten Festivalwoche nahm das Programm noch einmal volle Fahrt auf. In El Baile zeichneten die französische Choreografin Mathilde Monnier und der Schriftsteller Alan Pauls die jüngste Geschichte Argentiniens nach. Mit der Langzeitperformance MONUMENT 0.4: LORES & PRAXES (a ritual of transformation) von Eszter Salamon war Tanz im August erstmals im KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst vertreten. Eine weitere Uraufführung gab es mit TALOS von Arkadi Zaides, eine Lecture Performance, in der er Migrationsbewegungen an den EU-Grenzen als eine neue Art von Choreografie umdeutet. Die finnische Gruppe K&C Kekäläinen & Company untersuchte in Hafed Collage of Differences and Fragility Differenzen und Fragilitäten auf körperlicher Ebene.
Tanz im August Party im WAU | Credit: German Palomeque
Zum Festivalabschluss 2017 lud Tanz im August u.a. zur Uraufführung von Sasha Waltz' Women - ein choreografisches Ritual in die St. Elisabeth-Kirche sowie Marcelo Evelins Annäherung an den japanischen Butoh-Tanz in Dança Doente. Zur großen Festival-Abschlussparty ging es nochmal ins WAU: Am 2.9. wurden die letzten Vorstellungen gemeinsam mit den Künstler*innen, dem Team und dem Publikum gefeiert.
Das Festivalteam dankt allen Künstler*innen, Partnern und Besucher*innen für eine rundum gelungene Festivalausgabe 2017. Wir sehen uns wieder im August 2018!